Die vierte CD des Amrumer Shantychors :
"Skap üüb Strun!"":

(Für eine Hörprobe bitte Titel anklicken)


01. Skap üüb Strun
02. High Barbaree
03. Fire Down Below
04. Santiano
05. A-Roving
06. Eliza Lee
07. South Australia
08. Zoute Zee
09. 10.000 Miles
10. Three Score And Ten
11. Hullabaloo Balay
12. Captain Kidd
13. Yá sept marins sur mer
14. Roll, Alabama, Roll
15. The Hog-Eye Man
16. Essequibo River
17. Challo Brown
18. Pay Me My Money Down
19. Five O`Clock Ín The Morning
20. All For Me Grog
21. Hafenunterricht

Zu den einzelnen Titeln:

Nr. 01 Skap üüb Strun (02:01)

Nora Grevenitz aus Nebel hat für uns dieses Lied in friesischer Sprache geschrieben. Es passt in die Serie unserer Piratenlieder. Ein Strandräubershanty mit einer überlieferten Geschichte, die sich so ähnlich abgespielt haben könnte:
Ein Schiff ist gestrandet - Skap üüb Strun! Fluchtartig verlassen die Männer den Sonntagsgottesdienst, um nachzusehen, ob noch etwas zu retten ist. Sie finden an Bord des verlassenen Schiffswracks einen riesigen Klumpen Gold, den sie im Bett der alten Oma verstecken. Oma hält leider nicht dicht, und so wandert das Gold in den Besitz der Obrigkeit, und die Männer ins Gefängnis.

In neuerer Zeit wurden gelegentlich Kisten mit Rasierklingen und Container mit Schuhen auf dem Kniepsand gefunden, auf Goldklumpen warten wir noch.

Nr. 02 High Barbaree (02:07)

Zwei englische Kriegsschiffe versenken in einer dramatischen Seeschlacht ein Piratenschiff aus Nordafrika. Ein Shanty aus der Welt der Seeräuber, Kaperfahrer und Menschenhändler mit einem direkten Bezug zur Geschichte der Amrumer Seefahrer.

Eine schlimme Gefahr für die Handelsschiffahrt des 16. bis anfang 19. Jahrhunderts war die Piraterie der sog. “Korsaren” aus den nordafrikanischen Barbareskenstaaten zwischen Marokko und Ägypten. Die Seeräuberei war dort Haupteinnahmequelle. Die gefangenen Seeleute wurden versklavt, oft wurde Lösegeld erpreßt. So erging es im Jahre 1724 dem 15-jährigen Amrumer Schiffsjungen Hark Olufs aus Süddorf. Die Geschichte findet man auf seinem Grabstein vor der St.Clemens-Kirche in Nebel.

Nr. 03 Fire Down Below (02:09)

Dieses Lied wurde in zahllosen Versionen an der Pumpe gesungen. Holzschiffe sind nie ganz dicht, und das Pumpen ist eine stumpfsinnige, kräfte- und nervenzehrende Dauerbeschäftigung an Bord. Um so wichtiger ist ein Arbeitslied, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt:
Der Vorsänger gibt Feueralarm, obwohl es nicht brennt - das dient Anfeuerung der Pumpen-Crew. In unserer Version werden die Männer provozierend als „Girls“ angeredet: Sie sollen beweisen, dass Sie pumpen wie echte Kerle.

Nr. 04 Santiano (02:05)

Der Text bezieht sich auf den Mexikanischen-Amerikanischen Krieg. Viele britische Seeleute hielten zu den Mexikanern. Sie desertierten von ihren Schiffen, um sich der bunt zusammengewürfelten Armee des mexikanischen Präsidenten Antonio López de Santa Anna anzuschliessen. Wegen des besseren Reimes auf „Mexico“ heißt er in unserem Shanty „Santiano“.

Nr. 05 A-Roving (03:46)

Ein Shanty aus der Abteilung „was macht Johnny the Sailor an Land“. Höhepunkte jeder Fahrt sind natürlich die Abenteuer beim Landgang. A-Roving wird bei monotonen, anstrengenden Arbeiten benutzt, als Windlass- und Pumpenshanty. Da kommt es besonders auf den Vorsänger an: Er muß unterhaltsame, phantasieanregende Texte parat haben, um aus der Mannschaft die letzten Kraftreserven herauszuholen.

Erste Textaufzeichnugen gehen auf das Jahr 1640 (n.Chr.) zurück, das Thema, um das es geht, ist wesentlich älter. Viele Strophen sind aus Gründen des Jugendschutzes selten öffentlich zu hören.

Nr. 06 Eliza Lee (03:58)

Dies ist ein Capstan- und Windlass-Shanty aus Nordamerika. Die wiederkehrende Textzeile „Clear the track and let the bulgine run“ deutet auf die Herkunft hin: Es handelt sich um ein Arbeitslied der Gleisbauarbeiter der Eisenbahn-Pionierzeit im 19. Jahrhundert. Wenn es keine lohnende Arbeit gab, heuerten die „Gangs“ von Schwarzen oder Irischen Arbeitern auf den großen Segelschiffen an, die die Häfen von New Orleans oder Mobile im Golf von Mexiko anliefen. Die Eingangsmelodie kommt von einem sentimentalen irischen Volkslied her, beim anschließenden Arbeitsgesang geht es dann aber voll zur Sache : Die Männer sollen arbeiten wie eine Dampflokomotive!

Nr. 07 South Australia (02:05)

Am 29.11.2002 in Flensburg überraschen uns die Dubliners in Ihrem Jubiläumskonzert mit diesem Shanty (Barney als Vorsänger!) - Australien mal als Sehnsuchtsort statt immer nur Sträflingskolonie!

Nr. 08 Zoute Zee (02:12)

Der Sänger beklagt das bittere Los des Seemanns in der "salzigen See". Am Ende eines Lebens voller Mühe und Entbehrungen wartet der der nasse Tod. Die letzte Strophe fasst nochmal zusammen: Wer das Lied nicht verstanden habe, kann ja mal versuchen, im Ozean zu schwimmen.

Nr. 09 10.000 Miles (02:18)

Eine Seereise von 10.000 Meilen – da geht es wohl nach Australien. Der Sänger ist froh gestimmt, folgt er doch seiner schönen lieben Meggy, die ihm vorausgefahren ist. Ein wenig rätselhaft erscheint das Schiff, das die Reise macht: Ein „Government ship“, ein Schiff der Regierung also. Und Meggy hatte bei ihrer Fahrt ein „Government band“ um die Hände, und eins um die Beine. Des Rätsels Lösung: Die Braut verließ die englische Heimat in Ketten gefesselt in Richtung australischer Sträflingskolonie, und der Verlobte folgt ihr jetzt - vermutlich auch auf Staatskosten.

Nr. 10 Three Score And Ten (03:39)

In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 1889 tobte ein furchtbarer Orkan („The Dreadful Gale“) über der Nordsee vor der Ostküste Englands. Ihm fielen 10 Fischerboote aus Hull und Grimsby mit 70 Seeleuten an Bord zum Opfer. Zum Gedenken an die Katastrophe schuf der Fischer und Liedermacher William Delph einen berühmten Seasong, der sofort gedruckt und als Flugblatt verkauft wurde. Der Erlös war für die betroffenen Familien bestimmt. Der Titel lautet: „Three Score and Ten“. (= „dreimal zwanzig plus zehn“) - die Zahl der Ertrunkenen.

Nr. 11 Hullabaloo Balay (01:59)

„Hullabaloo“ bedeutet Ruhestörung, Tumult, Lärm, oder auch ein lustiges Durcheinander. Besser kann man den Gesang des Shantychors nicht beschreiben. Der Originaltext dieses englischen Shantys wurde aus guten Gründen niemals gedruckt. In der vorliegenden – für den Veranstaltungsbetrieb geeigneten – Version betreibt die Mutter des Vorsängers eine Art Seemannsheim. Während der Vater im Gasthaus „Zur Krone“ sitzt, brennt die Mutter mit einem jungen Burschen namens „Shallo Brown“ durch. Der Vater grämt sich fast zu Tode - nicht vor Kummer, sondern weil sie am nächsten Tag schon wieder da ist.

Nr. 12 Captain Kidd (04:02)

300 Jahre nach dem Ende der Likedeeler Klaus Störtebeker, Gödecke Michels & Co. hauchte in London am Themseufer ein anderer großer Seeräuberkapitän am Galgen sein Leben aus: William Kidd.

Kapitän Kidd konnte auf seinen Raubzügen zwar königliche Kaperbriefe vorweisen, aber es waren nicht immer feindliche Schiffe, die die beste Beute brachten …
Der legendäre Kaperfahrer berichtet in einer Art Lebensbeichte von seinen Abenteuern und Untaten und seinem bevorstehenden Ende in London im Jahre 1701.

Nr. 13 Yá sept marins sur mer (03.34)

Ein Seemannslied aus dem Südwesten der Bretagne.

Bretonische Seeleute waren wegen ihrer lustigen Gesänge und Tänze an Bord sehr beliebt. Sie sind heute noch an den quergestreiften Hemden gut zu erkennen. Ihr Französisch klingt eigenartig, sie verständigen sich in einem besonderer Dialekt, den der Amrumer Shantychor inzwischen recht gut drauf hat.

Melodie und Rhythmus stammen aus dem 18. Jahrhundert. Der Tanz ist ein „Hanter Dro“, ein urtümlicher Reigentanz im 3/4-Takt. Die Tänzer bilden einen Kreis oder zwei Reihen und bewegen sich rythmisch stampfend vorwärts über das Schiffsdeck, die Masten und Aufbauten umkreisend.

Inhalt: 7,6,5,.... Matrosen sind auf dem Meer, und wenn sie zurückkommen werden wir ein grosses Fest feiern.

Nr. 14 Roll, Alabama, Roll (02:51)

Die „Alabama“ war ein Kaperschiff, das im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Südstaaten kämpfte und am Ende im Jahre 1864 mit Mann und Maus im Meer versenkt wurde, nachdem es ca. 60 Handelschiffe der Union aufgebracht bzw. zerstört hatte.

Nr. 15 The Hog-Eye Man (02:21)

Dieses Lied stammt aus der Goldgräberzeit Mitte des 19. Jahrhunderts von der Nordamerikanischen Pazifikküste. Als auf den großen Seglern der Welt die “Banks of Sacramento” besungen wurden (vgl. Hamburger Veermaster), bauten Tausende meist schwarzer Arbeiter (“navvies”) die Eisenbahnlinie von San Franzisko zu den Goldvorkommen. Einziges Transportmittel für Menschen und Baumaterial waren Lastensegler, sogenannte “Hog-Eyes”, zu deutsch wörtlich “Schweine-Auge”.

Wie es zu diesem seltsamen Namen kam, wollen wir hier nicht erörtern. Die Besatzungen dieser Schiffe waren jedenfalls die fleißigen "Hog-Eye-Men" - sie hatten an jeder Anlegestelle eine "Verlobte", die nach einiger Zeit ganz sicher auch einen kleinen "Hog-Eye" auf dem Schoß sitzen hatte.

Nr. 16 Essequibo River (02:52)

Dieses westindische Halyard-Shanty wurde ursprünglich von afro-amerikanischen und indischen Seeleuten gesungen. Deren Heimat liegt am Essequibo River, dem größten Fluss Guyanas (nördlich von Brasilien), der bei Georgetown in den Atlantik mündet.

Guyana gehörte während der Kolonialzeit nacheinander zu den Niederlanden, Frankreich und nach der Niederlage Napoleons zum Britischen Königreich. Der Text preist die Vorzüge der Seemänner, Meerjungfrauen und sonstigen Mädels vom Essequibo River in den höchsten Tönen.

Nr. 17 Challo Brown (01:56)

“Challo Brown”, die schöne Mulattin von den Westindischen Inseln, wurde auf britischen und amerikanischen Schiffen bei der Arbeit am “Capstan” (Ankerspill) besungen. Wieweit man sich auf die Aussagen des Vorsängers verlassen kann, ist nicht überliefert. Jedenfalls soll Challo Brown sieben lange Jahre allen seinen Heiratsanträgen widerstanden haben.

Nr. 18 Pay Me My Money Down (02:14)

“Pay Me” ist ursprünglich ein Protestsong schwarzer Hafenarbeiter aus Georgia und South Carolina. Immer wieder passierte es, dass man von skrupellosen Kapitänen um seinen wohlverdienten Lohn gebracht wurden. Seeleute verbreiteten das Lied mit dem westindischen Calypso-Rhytmus über alle sieben Meere bis nach Amrum.

Die Personen in der dritten und vierten Strophe (Mr. Howard, Mr. Steven) sind historisch nicht überliefert. Offenbar handelt es sich um Persönlichkeiten aus den sog. besseren Kreisen, wohl Kapitän und Reeder.

Nr. 19 Five O`Clock Ín The Morning (02:45)

Um fünf Uhr am Morgen geht es mit dem Fischkutter auf See. Die Arbeit ist hart, das Wetter rauh und der Verdienst unter Mindestlohn. Dieses zeitgenössische Seemannslied stammt von den äußeren Hebriden, der Inselkette westlich von Schottland. Der Fischereihafen Stornoway ist der Hauptort der nördlichsten Insel „Lewis and Harris“, die südlichste heißt „Mingulay“. Im Unterschied zum „Mingulay Boat Song von unserer CD "Lat de blaue Flagg mal weien“ werden die Frauen der Fischer nicht erwähnt, die Sehnsucht gilt vielmehr den drei wichtigsten Hafenkneipen „The Clachan, The Lewis or The Crown“.

Nr. 20 All For Me Grog (03:12)

Es mag ein Traum eines jeden Seefahrers sein, regelmäßig etwas von seiner Heuer zurückzulegen, davon sich Land zu kaufen, ein schönes Friesenhaus darauf zu bauen und eine Familie zu gründen. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus - jedenfalls wenn man es nicht gerade zum Kapitän gebracht hat. Für einfache Seeleute (wie uns) reicht die Heuer gerade mal für das Nötigste: Bier, Grog und Tabak. Und hin und wieder ein bisschen Spaß mit den Bräuten im Hafen.

Nr. 21 Hafenunterricht (03:33)

Um unserem kulturellen Bildungsauftrag gerecht zu werden, haben wir als Zugabe den „Hafenunterricht“ von Richard Germer (Musik) und Benno Strandt (Text) gewählt, auch wenn es hier wohl eher um den Hamburger Hafen geht.